Gedanken zur Malerei

Gedanken zur Malerei- #Metamorphose der Fakten

Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.

Christoph Schlingensief

Meine Malerei ist abstrakt, ohne sich vom Erlebten zu lösen, und surreal, ohne sich dem Traumhaften vollständig zu überlassen. Sie sucht die Harmonie im Widersprüchlichen.

Die Farben stelle ich selbst aus Pigmenten her. Historische Pigmente – Erden, Mineralien, gebrochene Farben mit kultureller und geografischer Herkunft – begegnen modernen, industriellen und synthetischen Farbstoffen. Die Pigmente fungieren als Träger von Zeit. Ihre Kombination ist kein Zitat, sondern ein Dialog: Vergangenheit wird nicht reproduziert, sondern in neue Kontexte überführt. Farbe ist Bedeutungsträger, Substanz und Erinnerung zugleich.

Die Farbigkeit wirkt reduziert und materiell: Erdige Ocker- und Beigetöne stehen neben einem dominanten, verdichteten Rot und gebrochenen Grauschattierungen. Das Rot fungiert in vielen Bildern als energetisches Zentrum – nicht als Akzent, sondern als Spannungsträger. Es wirkt eingeschlossen und zugleich hervortretend, als würde es zwischen den grauen und sandfarbenen Flächen unter Druck stehen.

Die Formen entstehen aus Fragmenten. Sie wirken instabil, im Prozess, nie endgültig. Geometrische Andeutungen, organische Linien und amorphe Flächen zerfallen und setzen sich neu zusammen. Dieser permanente Wandel verweigert feste Lesarten. Komposition ist hier kein Abschluss, sondern ein vorläufiger Zustand.

Die Bilder erscheinen als Momentaufnahme eines instabilen Gleichgewichts. Die Komposition ist aus fragmentierten, kantigen Formen aufgebaut, die weder eindeutig gegenständlich noch völlig frei sind. Sie erinnern an Körper, Gefäße oder architektonische Versatzstücke, ohne sich festlegen zu lassen. Diese Ambivalenz hält die Wahrnehmung in Bewegung.

Die schwarzen Konturen umschließen die Formen nicht sauber, sondern wirken tastend, fast suchend. An manchen Stellen wirken sie wie Nervenfasern. Sie betonen die Konstruktion des Bildes als Prozess: Die Formen scheinen sich gerade erst gefunden zu haben oder im Begriff zu sein, sich wieder zu lösen. Nichts ist abgeschlossen, jede Linie trägt die Möglichkeit der Verschiebung in sich.

Surreal wirkt die räumliche Logik: Oben und unten, Tragen und Getragenwerden sind nicht eindeutig. Die Formen scheinen zu kippen, zu schweben oder sich gegenseitig zu stützen, ohne einem realen Raum zu gehorchen. Dadurch entsteht ein Zwischenraum, in dem Rationales (klare Flächen, Struktur) und Intuitives (Schrägen, Ungleichgewicht) ineinandergreifen.